Barrierefreiheit ≠ Overlay: Wenn ein Formular mit einem Screenreader nicht ausgefüllt werden kann
Ein barrierefreies Formular besteht nicht nur aus Eingabefeldern. Alle Menschen sollten es mit Tastatur und Screenreader verstehen, ausfüllen, überprüfen und absenden können.
Das Problem beginnt vor der Eingabe
Ein Feld kann visuell eindeutig wirken, aber nur als „Eingabefeld“ vorgelesen werden. Ohne zugeordnetes Label bleibt unklar, ob Name, E-Mail-Adresse oder Telefonnummer verlangt wird.
Beschriftungen, Hinweise und Pflichtfelder
Jedes Steuerelement benötigt einen zugänglichen Namen und gegebenenfalls ein korrekt verknüpftes HTML-Label. Pflichtfelder und Formatvorgaben müssen frühzeitig erkennbar sein; Platzhalter ersetzen keine Beschriftung.
Auch die Tastaturreihenfolge zählt
Mit Tab müssen die Elemente in sinnvoller Reihenfolge erreichbar sein. Auswahlfelder, Kontrollkästchen, Schaltflächen und Kalender müssen ohne Maus bedienbar sein, mit sichtbarem Fokus und ohne unerwartete Sprünge.
Fehler verstehen und beheben
Ein roter Rahmen erklärt keinen Fehler. Fehlermeldungen müssen als Text vorliegen, dem betroffenen Feld zugeordnet sein und Korrekturen ohne Datenverlust erlauben. Dynamische Meldungen sollten angekündigt werden.
Vor dem Absenden prüfen und bestätigen
Bei Bestellungen und wichtigen Vorgängen sollte gegebenenfalls eine Prüfung und Bestätigung möglich sein. Die Schaltfläche zum Absenden braucht eine eindeutige Bezeichnung; das Ergebnis muss zugänglich mitgeteilt werden.
Was die WCAG verlangen
WCAG 2.2 behandelt Beschriftungen und Anweisungen (3.3.2), Fehlererkennung (3.3.1), Name, Rolle und Wert von Elementen (4.1.2) sowie Tastaturbedienung (2.1.1). Entscheidend ist der praktische Test.
Wie Blind Reader unterstützt
Blind Reader kann den Zweck der Seite erklären, beim Auffinden von Formularen helfen, die Navigation begleiten und Spracheingaben unterstützen. Zudem korrigiert er bestimmte Barrieren automatisch, etwa die Ankündigung von Pflichtfeldern. Das ergänzt gut entwickelte Formulare.
Ein einfacher Test vor der Veröffentlichung
Füllen Sie das Formular mit Tastatur und NVDA, VoiceOver oder einem anderen Screenreader aus. Prüfen Sie die Feldnamen, lösen Sie einen Fehler aus, beheben Sie ihn und senden Sie das Formular ab. Scheitert ein Schritt, besteht eine Barriere.
Quellen und weiterführende Informationen
Ein Formular ist dann barrierefrei, wenn Menschen die Aufgabe abschließen können – nicht nur, wenn es sichtbar ist.
Folge 18 · Barrierefreiheit ≠ Overlay
